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Numerus clausus im Medizinstudium

veröffentlicht am 13. Oktober 2014 von studymed

Heute wollen wir gemeinsam einmal einen Blick auf das Leid unserer nächsten Nachbarn werfen. Jedes Jahr nehmen die österreichischen (Med-)Unis zahlreiche Flüchtlinge auf, die in ihrer Heimat benachteiligt sind und denen man vielleicht die Ausbildung verweigert, von der sie träumen. Ich rede von Deutschland und dem Numerus Clausus. Wir Österreicher, die wir ständig Schauergeschichten von unseren deutschen Kollegen hören, gruselt es inzwischen schon richtig bei diesem für uns unbekannten Wort.

Deshalb folgt nun für deutsche Landsmänner und –frauen nochmal eine Übersicht ihres eigenen Systems, für Österreicher ein Abstecher in ein gänzlich fremdes Aufnahmeverfahren:

Der Numerus Clausus, zu Deutsch „geschlossene Zahl“, gilt prinzipiell für die Bewerbung an allen deutschen Hochschulen. Er ist keine absolut festgelegte Zahl, sondern errechnet sich jedes Jahr aufs Neue aus dem Abiturnotendurchschnitt und zwar in jedem Bundesland gesondert. Es geht also genau wie beim MedAT oder EMS immer um die Stärke der Konkurrenz. So lag im Jahr 2013 der für die Aufnahme an einer Universität für Humanmedizin erforderliche Mindestnotendurchschnitt je nach Bundesland zwischen 1,0 und 1,4. Die Zahnmediziner brauchten mindestens einen Schnitt von 1,1 bis 1,7 für einen Studienplatz. Nicht ganz einfach.

Für das Aufnahmeverfahren ist aber nicht ausschließlich der Notenschnitt entscheidend, sondern auch die Zeit, die man schon auf einen Platz an einer Uni wartet, die sogenannten Wartesemester. Falls das Abitur nicht so berauschend war, kann man mal ins Berufsleben einsteigen und sich den Studienplatz quasi „erwarten“. Mit jedem Semester, in dem man übrigens an keiner anderen Hochschule inskribiert sein darf, steigt man so in der Reihung nach oben. Viele Anwärter auf medizinische Studien machen in Deutschland deshalb zuerst die Krankenpfleger- oder Rettungsdienst-Ausbildung und fangen dann erst Jahre später zu studieren an. Bis zu 16 Wartesemester werden anerkannt, das heißt 8 Jahre warten. Das funktioniert in Humanmedizin allerdings auch nur, wenn man im Abitur nicht viel zu „schlecht“ war und „schlecht“ bedeutet in Deutschland einen Schnitt von 2,6 und mehr. In dem Fall kann man die Hoffnung eher aufgeben. Und da kommt der TMS ins Spiel.

Das Prinzip des TMS (Test für Medizinische Studiengänge) ist ein anderes als das des MedAT, er ist nicht verbindlich für die Aufnahme an der Meduni. Er ist lediglich ein Mittel, seine Chancen zu erhöhen, wenn man mit Noten nicht zu glänzen vermag. Hat man ein tolles Ergebnis beim TMS rutscht man in der Reihung auf jeden Fall mal vor diejenigen, die ähnlich „schlechte“ Noten hatten oder ähnliche Wartesemester vorzuweisen haben. Verschlechtern kann man seine Situation nicht, also machen sollte man ihn auf jeden Fall, nach dem Prinzip „Hilft’s nix, schadet’s nix.“. Zahlen muss man dafür 50 Euro, ausgewertet wird ähnlich wie in Österreich. Es wird ein Test-Rang ermittelt, der jedoch in ein Notensystem umgerechnet und somit vergleichbar mit den Abiturnoten gemacht wird. (Fragt mich bitte nicht, wie das genau geht!)

Achtung, antreten darf man nur einmal im Leben, das Ergebnis gilt dann für jede Bewerbung an einer Uni für medizinische Studiengänge! Das Testergebnis wird allerdings nicht von allen Hochschulen in Deutschland in ihrem Aufnahmeverfahren berücksichtigt. Eindruck machen kann man mit dem TMS an 17 humanmedizinischen Unis und 11 zahnmedizinischen.

Wenn das alles nichts hilft, weil man während dem Abitur gerade seine große Liebe getroffen oder an der Schlafkrankheit gelitten hat oder vorhatte, Popstar zu werden – man hat ja noch Nachbarn.